Kategorie: | 1. Juli 2026

Jahrestag

Jahrestag

Fünf Jahre jährt sich die Ahrtalflut. Mein Kommentar dazu? Wir haben uns alle verändert. Wir sprechen von der Zeit vor der Flut und von der Zeit danach. Viele Erinnerungen bleiben schmerzhaft. Gleichzeitig ist aber auch sichtbar geworden, wie viel Kraft, Zusammenhalt und Mut in unserer Region entstanden sind.

Klimawandel bedeutet für uns Mittelgebirgler: Überflutungsvorsorge ernst nehmen, Trinkwasserstrategien entwickeln und unsere Infrastruktur zukunftsfähig aufstellen. Ja, das ist anders. Ja, das ist teuer. Und ja, das sind nur einige von vielen Themen, die wir anpacken müssen. Aber wir haben in den vergangenen Jahren auch bewiesen, dass wir schwierige Aufgaben gemeinsam bewältigen können.

Ich möchte dabei nicht zu pessimistisch klingen. In der ersten Phase nach der Flut ging es vor allem um die Wiederherstellung der Strom- und Trinkwasserversorgung. In der zweiten Phase standen dann ganz praktische Fragen im Mittelpunkt: Wie kann ich wieder arbeiten? Wann komme ich zurück an meinen Arbeitsplatz? Wann kommen wieder Gäste und Kunden in mein Weingut, mein Café oder mein Einzelhandelsgeschäft?

Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger hängen emotional und praktisch noch immer in diesen Phasen fest. Und ich höre auch Sätze wie: „Es reicht mir. Ich kann nicht mehr. Lass mich in Ruhe.“ Das ist verständlich. Wer so viel verloren, organisiert, gekämpft und wieder aufgebaut hat, darf müde sein. Aber gerade deshalb brauchen wir jetzt gute Strukturen, die entlasten, Orientierung geben und neuen Mut machen.

Die Frage „Wie schützen wir uns vor der nächsten Flut?“ wird noch zu selten gestellt — und häufig an staatliche Institutionen weitergegeben. Natürlich braucht es Bund, Land und Kommunen. Aber Vorsorge gelingt nur gemeinsam: mit Fachwissen, Eigenverantwortung, funktionierenden Frühwarnsystemen, klaren Notfallplänen und einer Bevölkerung, die weiß, was im Ernstfall zu tun ist.

In vielen Gesprächen mit Wiederaufbauenden höre ich: „Nicht noch einmal. Dafür habe ich keine Kraft mehr.“ Die ehrliche Gegenfrage lautet: Hält sich das Wasser daran? Leider nicht. Deshalb ist Vorsorge kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Sie schützt Familien, Betriebe, Arbeitsplätze und unsere Heimat.

Die Fachleute sagen es klar und wiederholen es seit Jahren: Ohne wirksamen technischen Hochwasserschutz werden wir in den nächsten Jahrzehnten mit erheblichen Risiken leben müssen. Wenn das so ist, müssen wir uns anders vorbereiten. Besser. Klüger. Angepasster. Und wir sollten mehr darüber sprechen: offen, konkret und lösungsorientiert.

Im Verein „Zukunftsregion AHR e. V.“ haben wir deshalb eine Infrastrukturwerkstatt gegründet, um Kommunalpolitik, Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Das ist ein Anfang. Ein Ort, an dem Ideen, Fachwissen und praktische Erfahrungen zusammenkommen können.

Es bleibt sehr viel zu tun. Aber wir fangen nicht bei null an. Wir haben Erfahrung, wir haben Zusammenhalt, und wir haben Menschen, die Verantwortung übernehmen. Genau daraus kann Zukunft entstehen.

Ihr und euer
Markus Becker

PS: Eine Buchempfehlung von mir:
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Foto: Dominik Ketz

 


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