Immer nur Blaulichtphase? Das reicht nicht!
Die „Blaulichtphase“ nach der Ahrtalflut war eine Ausnahmesituation – und sie war bemerkenswert. Gemeinsam haben Bund, Land, Aufsichtsbehörde, Kreise, Kommunen, Bauunternehmen und Ingenieurbüros in kürzester Zeit Projekte umgesetzt, die zuvor undenkbar schienen. Eine neue Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstand – sichtbar etwa in der „Thürer Runde“, erstmals initiiert von den Ingenieuren Dr. Klaus und Dr. Thomas Siekmann. Hier wurde unbürokratisch, engagiert und lösungsorientiert gehandelt.
Vor einigen Wochen konnte ich im Petitionsausschuss des Bundestages, der im Ahrtal tagte, von diesen Erfolgsmustern berichten.
Beispiele gefällig? Die Ahrtalstudie zur Abwasserentsorgung – innerhalb weniger Monate erstellt. Die Wiederherstellung und Bündelung zahlreicher Ahrkreuzungen – so wurde etwa die B9-Brücke in wenigen Monaten realisiert, was sonst Jahre gedauert hätte.
Klar ist: Wir dürfen jetzt nicht verlangen, dass das Tempo und die Ausnahmeregeln der Blaulichtphase der neue Dauerzustand werden. Doch genauso wenig dürfen wir zurück in alte Muster und Trägheit verfallen. Die nächste Katastrophe kommt bestimmt – und sie fordert uns, endlich zu lernen. Prozesse, Zusammenarbeit, Denkweisen: All das kann und muss besser werden.
Nein, die Bedingungen der Blaulichtphase lassen sich nicht einfach auf den Alltag übertragen. Aber aus ihren Prinzipien können wir für die Zukunft lernen – und wir müssen es sogar. Denn die Herausforderungen sind zu groß, und das Ahrtal hat uns eines gelehrt: Geduld ist keine Ausrede mehr. Jetzt ist der Zeitpunkt, konsequent aus der Krise zu lernen – und endlich zu handeln.
Ihr und euer
Markus Becker
Grafik: Stephan Maria Glöckner