Kategorie: | 1. August 2026

Ich höre und höre doch nicht

Ich höre und höre doch nicht

„Wer sich nicht vorbereitet, bereitet sich auf das Scheitern vor!“ - so lautet der Titel eines Podcasts der Zürich Versicherung mit Horst Nussbaumer und Prof. Holger Schüttrumpf. Darin wird sehr bildhaft beschrieben, dass Mittelgebirgslandschaften ohne technischen Hochwasserschutz künftig nicht auskommen werden. Der Grund ist so einfach wie unbequem: Die Bebauung ist an vielen Stellen viel zu weit fortgeschritten, um allein auf Rückzug, Vermeidung oder Hoffnung setzen zu können.

Eine weitere Schlagzeile rund um den Jahrestag der Flut lautete: „Die dramatische Botschaft ist nicht angekommen!“- ein Zitat der Landrätin in der Frankfurter Rundschau. Gemeint war: Wenn wir die Finanzierung des technischen Hochwasserschutzes nicht hinbekommen, sind wir im entscheidenden Punkt kaum besser geschützt als vor der Flut.

In der Nachbesprechung eines Termins mit Gewerbetreibenden zum Frühwarnsystem infraWarn der inframeta eG wurde berichtet, dass viele den Mehrwert einer 72-Stunden-Vorhersage nicht verstanden hätten.

Da wird man als Wasserbauingenieur irgendwann sprachlos.

Was muss man noch sagen?

Was tust Du, wenn die öffentliche Hand in einer Zuständigkeitsfalle steckt?

Die Kommune kann es nicht bezahlen.

Das Land will keine Präzedenzfälle schaffen.

Der Bund verweist darauf, dass doch eigentlich alles geregelt sei.

Und was passiert, wenn Eigenverantwortung nicht erkannt wird? Wenn Verdrängung einfacher ist als Vorbereitung?

„Hochwasserdemenz“, das St.-Florians-Prinzip oder „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ - all das beschreibt eine Verdrängung, die inzwischen sehr sichtbar geworden ist.

Ein Bürgermeister brachte es einmal sehr treffend auf den Punkt:

„Beim nächsten Hochwasserereignis erkennt dann jeder Betroffene, dass er sich besser hätte vorbereiten müssen.“

Schade eigentlich. Warum muss immer erst der Schaden eintreten? War das Ereignis von 2021 nicht Warnung genug?

Deshalb: Warten Sie nicht auf die nächste Katastrophe. Prüfen Sie Ihre Verwundbarkeit. Sichern Sie, was zu sichern ist. Nutzen Sie Frühwarnsysteme. Klären Sie Zuständigkeiten. Sorgen Sie vor.

Kümmern Sie sich. Jetzt.

Ihr und euer
Markus Becker

Foto: Dominik Ketz

 


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