Lufteinschlüsse in Trinkwasserleitungen als Risikofaktor für das Versorgungsnetz

Im Rahmen unserer Veranstaltung „Risikomanagement in Trinkwasser-Systemen” haben wir wesentliche Erkenntnisse für den Bereich der Hygiene in der Trinkwasserversorgung mitnehmen können.

 

Den Aspekt der Luft im Trinkwassernetzes möchte ich hier näher beleuchten und mit Ihnen als Leser teilen:

 

Woher kommen Lufteinschlüsse in Trinkwassernetzen?

 

Einerseits kann beim Verlegen von neuen Leitungen Luft ins Trinkwassernetz gelangen. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn die neue Leitung auch nur geringe Hochpunkte aufweist, die dann beim Befüllen nicht sauber ausgeblasen werden.

 

Eine weitere Möglichkeit besteht aber auch durch Entgasung des Wassers. Bei Druckverlust kann es z. B. zu Entgasungen kommen. Hierbei ist es unwichtig,

ob der Druckverlust durch einen geodätischen Höhenunterschied oder Reibungsverluste bedingt ist.

 

Ebenso kann eine Erwärmung des Wassers zur Entgasung führen.

 

Wo sammelt sich die Luft?

 

Was erst einmal nach einer einfachen Frage klingt und mit „natürlich am Hochpunkt” beantwortet wird, ist bei genauerer Betrachtung doch etwas komplizierter.

 

Luftansammlungen sind generell dort zu erwarten, wo niedrigere Betriebsdrücke als in den benachbarten Leitungsabschnitten auftreten können. Das heißt, neben den geodätischen auch die hydraulischen Hochpunkte, sowie auf langen steigenden oder fallenden Rohrstrecken, außerdem nach Pumpen und vor Drosselstrecken.

Welche Folgen haben Lufteinschlüsse?

 

Einerseits haben Lufteinschlüsse Auswirkung auf die Hydraulik des Versorgungssystems. Durch die Luft wird der wasserführende Querschnitt der Leitung verringert mit der Folge, dass der Durchfluss reduziert bzw. der Druckverlust erhöht wird. Bei Pumpleitungen kann dies direkt Einfluss auf die Pumpenauslastung sowie den Wirkungsgrad haben.

 

Andererseits können Lufteinschlüsse auch Verkeimungen im Netz fördern. Hier hilft mitunter nicht einmal die Desinfektion der Leitung, da bedingt durch den Lufteinschluss das Desinfektionsmittel sich nicht im gesamten Rohrquerschnitt verteilen kann.

 

Ein weiteres Risiko besteht in der Verstärkung von Druckstößen.

Anders als das Wasser kann die Luft komprimiert werden. Dies wirkt bei einem vorhandenen Druckstoß allerdings nicht dämpfend, sondern eher wie eine Feder, durch die der Druckstoß sogar verstärkt werden kann.

 

Welche Maßnahmen können getroffen werden?

 

Zur Vermeidung von Lufteinschlüssen bei Neubau von Wasserleitungen sollte die neue Leitung immer gemolcht

werden. Hierdurch wird bei Inbetriebnahme sichergestellt, dass die gesamte Leitung mit Wasser gefüllt ist und mit Desinfektionsmittel in Kontakt kommt.

 

Zudem hilft es, in der Planung zu prüfen, ob durch eine Verlegung in einer anderen Tiefenlage Hochpunkte vermieden werden können.

 

Dort, wo sich Lufteinschlüsse nicht dauerhaft vermeiden lassen, sollten Be- und Entlüfter installiert werden.

 

Ein Beitrag von Dipl.-Ing. Ingo Knieps, Zertifizierter Kanalsanierungsberater