Was lernen wir im „kommunalen Tiefbau” von der Elbphilharmonie?

Als Tiefbauingenieur von der Elbphilharmonie zu sprechen, mag dem Einen oder Anderen vermessen klingen. Ich traue mich trotzdem:

 

Die Einweihung des Großprojektes am Anfang des Jahres hat mich schon beeindruckt. Auch die vielen Dokumentationen auf phoenix und dem NDR, die die Geschichte der Baumaßnahme aufgearbeitet haben, waren sehr interessant.

 

Zwei wesentliche Erkenntnisse bleiben bei mir hängen:

 

1. Das Ergebnis eines solchen Großprojektes muss funktionieren und begeistern.

Bei der Elbphilharmonie ist das meiner Meinung nach gelungen.

 

Es ist für große Orchester konzipiert. Jeder Kontrabass hat seinen Schrank. Die Akustik begeistert (auch wenn sie natürlich jeden „Huster” verstärkt).

 

Die Einbindung aller Bürger durch die Plaza finde ich sehr gelungen.

 

Eine absolute Katastrophe wäre entstanden, wenn die Funktion nicht erfüllt werden kann (das wird z. B. beim Flughafen Berlin noch besonders spannend). Es tritt kein Mehrwert ein. Die Enttäuschung wäre riesig.

 

Hamburg hat sich aber mit dem Bau der Elbphilharmonie nicht nur einen „Konzertsaal” gebaut,

sondern ein neues Wahrzeichen mit einer großen Sogwirkung.

 

Das lässt sich auch auf kommunale Infrastruktur übertragen. Das verstehe ich unter „zukunftsfähig”.

 

2. Man braucht starke Bauherren.

 

Die ganzen „Schuld- und Recht”-Debatten über Termine, Kosten und Qualitäten sind Vergangenheit und haben nur noch wenig Bedeutung.

 

Beeindruckend und entscheidend war meiner Meinung nach die Stärke des regierenden Bürgermeisters Olaf Scholz, den Bau mit dem ursprünglichen Team aus Baufirma und Architekten zu Ende zu bringen!

Nur solche Entscheidungen lösen „Knoten” auch in Infrastrukturprojekten. Leider muss sich eine Situation oft erst zuspitzen, bevor diese zentralen Handlungsweisen zum Tragen kommen (müssen).

 

Es hat viel Mut und Vertrauen bedeutet, auf die Vertragspartner bis zuletzt zu setzen.

 

Es macht mir Freude, mit Ihnen über solche Themen bei unserem nächsten Treffen zu sprechen.

 

Ihr

Markus Becker

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