Starkregenwerkstatt: Begriff „100-jähriges Regenereignis nicht zielführend!“

Anlässlich der Starkregenereignisse im Juni 2016, die in den Gebieten von Bad Neuenahr, Remagen, Grafschaft und Wachtberg für immense Schäden gesorgt hatten, lud die Infrastruktur-Akademie der Berthold Becker Büro für Ingenieur- und Tiefbau GmbH die regionalen Akteure zu einer Starkregenwerkstatt ein.

 

Dieser Einladung folgten viele Vertreter von Gebietskörperschaften aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz und südlichen Nordrhein-Westfalen, Verantwortliche von Versorgungsträgern, Ingenieurbüros sowie Vertreter der Fachhochschule Koblenz.

 

„Starkregenvorsorge darf nicht an Gemeindegrenzen enden!“, so Dipl.-Ing. (TH) Markus Becker, der die Teilnehmer im ausgebuchten Bürgerhaus in Lohrsdorf begrüßte und die Starkregenwerkstatt eröffnete.

Die Teilnehmer erörterten ihre Erfolgsmuster und Engpässe im Umgang mit Überflutungen und folgten den Vorträgen der eingeladenen Referenten Dr.-Ing. Martin Keding (Beratender Ingenieur für Siedlungswasserwirtschaft) und Dipl.-Ing. Simone Stöhr (Werkleiterin Zentraler Kommunaler Entsorgungsbetrieb, Saarbrücken) zu den Themen Überflutungsvorsorge im Bereich von Bebauungen sowie Risikokommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Dr. Keding: „Überflutungsrisiken aus Starkregen werden sich nie ganz vermeiden lassen. Mit guter Zusammenarbeit aller Beteiligten und systematischem Vorgehen lassen sich viele Schäden vermeiden und verbleibende Risiken minimieren.“

 

„Starkregenmanagement ist eine Daueraufgabe.“

Dr. Keding erläuterte die Entwicklung der Niederschlagssituation bis heute und gab Einblicke in die Gefährdungsanalyse und Bewertung der Ereignisse.

 

Das Problem sei oft eine nicht geregelte Außengebietsentwässerung, die jedoch dringend – wie auch eine Einteilung und Bewertung dieser Flächen – in ein Hochwasserschutzkonzept einbezogen werden müsse. In der Diskussion wurde vor allem von Gemeindevertretern eine Unterstützung vom Land in der Außengebietsentwässerung angemahnt.

 

Dipl.-Ing. Simone Stöhr berichtete über ihre bewährten Methoden im Bereich der Risikokommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Stöhr: „Zur Katastrophe wird ein Ereignis, wenn man nicht vorbereitet ist.“

Unter diesem Motto berichtete sie über ihre Erfahrung mit den Themen Risikowahrnehmung, Befassung mit Risiken und dem nötigen Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten.

 

Nach intensiven und konstruktiven Diskussionen fassten die Teilnehmer die Beschlüsse, zu empfehlen, ein gemeindeübergreifendes Ampelsystem für die Bewertung der Außengebiete einzuführen und zukünftig wie von Dr. Keding empfohlen den Starkregenindex nach Schmitt anzuwenden, um die irreführenden Begriffe „Jahrhundert- oder Jahrtausendniederschlag“ abzulösen.

 

Alle Beteiligten waren sich einig, die Starkregenwerkstatt im kommenden Jahr zu wiederholen, um den gemeinsamen Austausch aufrecht zu erhalten. Die Folgeveranstaltung ist für den 07.11.2017 geplant. Weitere Informationen erhalten Sie hier.