Kommentar Oktober

Jenseits des Geldes

01. Oktober 2020

Eine der besten wirtschaftlichen Untersuchungen in diesem Jahr ist der Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft vom 12.08.2020.

 

Thomas Puls stellt in dem IW-Report 37/20 die Frage: „Was behindert den Infrastrukturausbau in Deutschland?”

(Quelle zum Download: https://www.iz-shop.de/buch-65915/jenseits-des-geldes)

 

Wie der Titel schon verrät, ist es eber nicht nur das Geld als fehlende Ressource, sondern die Begründung hat noch ganz andere Ursachen.

Sehr schön auf den Punkt bringt er die Themen:

 

  • Kapazitäten in der öffentlichen Bauverwaltung
  • Kapazitäten in der Bauindustrie
  • Preiseffekte und rechtliche Fragen

 

Besonders interessant ist der Punkt Hemmschuh „öffentliches Vergaberecht”. In wahrscheinlich bester Absicht ist hier ein Rechtskomplex geschaffen worden, der an die Entdeckung eines neuen Weltmeeres erinnert.

Große Ungewissheit und absolute Unsicherheit treffen hier auf den dringenden Bedarf, z. B. Planungsaufträge im Vorfeld von Infrastrukturausbau zu vergeben.

 

Besonders spannend wird es z. B., dass wenn das Planungsteam nach einem Vergabeprozess steht und in die Planung einsteigt, ein erneuter Ausschreibungsbedarf entsteht, sollte sich der Bauumfang durch Planungstiefe deutlich erhöhen.

 

Das Misstrauen, das hier gegen alle und vor allem öffentliche Bauherren und Planer zum Ausdruck kommt, ist einfach schlimm.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang gerne an einen Professor der Bauwirtschaft, der in einem komplexen Baurechtsstreit zu dem Ergebnis kommt: „Wir müssen wieder mehr in der Baubude lösen!” oder übersetzt: Wir müssen mehr unter Bauleuten klären, wie effektive Prozesse in Ungewisseheit und Unsicherheit am besten gelöst werden.

 

Wenn wir nicht am Vertrauen und der Wertschätzung der Bauakteure arbeiten, lösen wir keinen Hemmschuh auf.

 

In diesem Sinne, frohes Schaffen!

 

Ihr Markus Becker

 
 
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