Kurznachrichten

2. Regionale Starkregenwerkstatt - Abflussmodellierung, Landwirtschaft, Stadtgemeinschaft und Starkregen-Café

05. April 2018

Nach den positiven Erfahrungen mit der 1. Starkregenwerkstatt im Jahr 2017 hatte die Infrastruktur-Akademie der Berthold Becker Büro für Ingenieur- und Tiefbau GmbH die regionalen Akteure zu einer 2. Starkregenwerkstatt am 20. Februar 2018 in das Bürgerhaus Ringen der Gemeinde Grafschaft eingeladen.

 

Dieser Einladung folgten ca. 50 Vertreter von Gebietskörperschaften aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz und südlichen Nordrhein-Westfalen, Verantwortliche von Versorgungsträgern, Ingenieurbüros und Bildungseinrichtungen.

 

Dr.-Ing. Martin Keding, Beratender Ingenieur und Prokurist im Ingenieurbüro Becker, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass auch in 2017 viele Orte in Deutschland von Starkregen und Überflutungen betroffen waren, wobei die regionale Verteilung unterschiedlich war.

 

Gerade wegen der Unkalkulierbarkeit des Auftretens sind vorbeugende Maßnahmen im lokalen und regionalen Kontext von besonderer Bedeutung für die Risikominimierung.

 

Mit dieser Zielsetzung gliederte sich die Starkregenwerkstatt in einen Vortrags- und einen Werkstattteil.

Im ersten Vortrag erläuterte Dr.-Ing. Oliver Buchholz, hydrotec Ingenieurgesellschaft Aachen, die Bedeutung und Möglichkeiten von 2D-Abflussberechnungen bei der Überflutungsvorsorge.

 

In Abgrenzung zur klassischen Gewässerberechnung ist bei Sturzfluten auch besonders der flächenhafte Abfluss auf der Geländeoberfläche von Bedeutung. Unter Verwendung der mittlerweile flächendeckend vorliegenden digitalen Geländemodelle können orientierende oder hochauflösende Abflussmodellierungen vorgenommen werden. Diese können erheblichen Wert sowohl für das Prozessverständnis wie auch die Validierung von Maßnahmen haben.

 

Ausschlaggebend für die Qualität des Ergebnisses ist neben der Auswahl des geeigneten Modellansatzes vor allem eine sorgfältige Bearbeitung bei der Modellerstellung bis hin zur Plausibilisierung der Ergebnisse.

 

Der Beitrag der Landwirtschaft zur Überflutungsvorsorge wurde durch Jürgen Hesse und Michael Rütten von der Bezirksstelle für Agrarstruktur Köln bzw. Düsseldorf erläutert.

 

Schnell wurde deutlich, dass die Landwirtschaft durch das Thema ebenso betroffen ist wie die kommunalen Akteure.

Insbesondere der Bodenabtrag durch Erosion bei Starkregen führt zu einem schleichenden Substanzverlust in der Landwirtschaft.

 

Entsprechend sehen sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen wie auch die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft Maßnahmen zur Schadensabwehr vor.

 

Eine besondere Rolle kommt hier der landwirtschaftlichen Beratung zu, da letztlich der einzelne Landwirt durch entsprechende Bewirtschaftung Einfluss nehmen kann.

 

Anhand von Beispielen wurden mögliche Handlungsspielräume aufgezeigt. In der Diskussion wurde deutlich, dass weitere Schritte auch in der Kooperation zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft erforderlich sind.

 

Wie auch innerhalb einer Verwaltung durch gemeinsames Vorgehen aller Betroffenen nachhaltig gegen die Gefahr des Starkregens vorgegangen werden kann, zeigte Ingo Schwerdorf von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln anhand des Kölner Weges – von der Information zur Partizipation lautet der strategische Ansatz. 

 

Anhand von Beispielen wurde die Integration der Überflutungsvorsorge in die Arbeitsabläufe der Stadtplanung aufgezeigt.

Von besonderer Bedeutung ist z. B. die Verankerung eines wasserwirtschaftlichen Fachbeitrages in den Planungsprozess bei Erschließungsmaßnahmen.

 

Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln haben hierzu verschiedene Hilfestellungen und Informationsmaterialien auch für die Kommunikation mit dem Bürger erarbeitet, die auch anderen Anwendern zur Verfügung gestellt werden. Eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wurde anschaulich dargestellt und erläutert.

 

Wenn morgen eine Sturzflut zu erwarten ist, wie gut sind Sie gerüstet? Dies war die zentrale Frage im Werkstattteil der Veranstaltung. Hierbei ging es weniger um die Erarbeitung von Lösungen als um den Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern.

 

In einem Starkregen-Café hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich zu verschiedenen Aspekten der Überflutungsvorsorge in wechselnden Gruppierungen auszutauschen.

 

In seinem Schlusswort dankte Dr.-Ing. Martin Keding den Teilnehmern für ihre engagierte Mitarbeit. Die Veranstaltung wurde durch die Teilnehmer insgesamt als rundum gelungen und hilfreich bewertet, so dass für das Jahr 2019 die 3. Starkregenwerkstatt geplant wird.

 
 

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